Nah Dran! Neue Stücke für das Kindertheater 2021

 

 

 

 

 

Auftragshonorare 2021 vergeben

Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater 2021

Gemeinsam mit dem Deutschen Literaturfonds vergibt das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland jährlich  Stipendien zur Entwicklung neuer Stücke für das Kindertheater. Das Programm Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater zeichnet sich durch die programmatische Zusammenarbeit der Autorinnen und Autoren mit Theatern und Regisseurinnen und Regisseuren aus und kann -- seit 2009 – auf eine erfolgreiche Geschichte der Autorenförderung zurückblicken.

Die Projektleitung wurde in diesem Jahr von Mirrianne Mahn übernommen: Henning Fangauf war als Jurymitglied weiterhin am Projekt beteiligt. 26 Projektbewerbungen lagen der Jury in diesem Jahr vor, welche neben Henning Fangauf aus Dr. Gunther Nickel für den Deutschen Literaturfonds und Anna Scherer, Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters und der Theaterpädagogik der Burghofbühne Dinslaken, bestand. Aufgrund der aktuellen Situation an den Theatern durch die Corona-Pandemie war der Bewerbungsschluss auf den 15. Mai 2021 verlängert worden. Am 18. Juni tagte die Jury.

Folgende vier Autor*innen erhalten eine Förderung von jeweils 8500 Euro für ihre Stückentwicklung, weitere 1000 Euro erhalten die Partnertheater, die die Stücke zur Ur-aufführung bringen:

 

Emel Aydoğdu
Wachsen (AT)
ab 2 Jahren
Regie: Emel Aydoğdu
in Kooperation mit Junges Schauspiel | D‘Haus

Alles ist möglich. Aus einem kleinen Keim entsteht ein eigenes Lebewesen. Ein Mensch, ein Tier? Eine Blume, ein Baum?
Eine Inspirationsquelle auf dem Weg zu diesem Antrag bildete das Kunstmärchen Der Tannenbaum, das Emel Aydoğdu vor vielen Jahren las und das sie tief beeindruckte. Hans Christian Andersen beschreibt eine Tanne in ihrem Heranwachsen. Sie träumt von vermeint-lich Höherem, schlussendlich ist der lang ersehnte Höhepunkt – geschmückt bei Men-schen zu stehen – schrecklich kurz. Danach wird sie erst vergessen, dann zu Feuerholz und beendet ihr Leben als Asche.

Emel Aydoğdu wird aus mit Kindern gemachten Erfahrungen eine Textfläche entwickeln, die sich aus der Perspektive sehr junger Menschen mit dem Wachsen und mit dem eigenen Platz im Leben beschäftigt.

 

Carsten Brandau
Jetzt ist aber Schluss (AT)
ab 5 Jahren
Regie: Bianca Sue Henne
in Kooperation mit dem Stadttheater Bremer-haven

Tod und Leben gehören unweigerlich zusammen – ohne Tod kein Leben und ohne Leben auch kein Tod. Und so sind die Fragen an unser alltägliches Leben auf ganz natürliche Weise mit Fragen nach dem Tod verbunden, der eben zwangsläufig ebenso alltäglich ist.
Wie können wir Kindern etwas vom Leben erzählen, wenn wir den Tod auslassen, wenn wir als Gesellschaft das Denken pflegen, dass niemand sterben darf, und wir doch gleichzeitig wissen, dass jeder Mensch sterben muss?

Bianca Sue Henne und Carsten Brandau wollen sich diesem Thema mit einem Stück annähern, das sich keines tröstenden Narrativs in Form einer exemplarischen Geschichte bedient.

 

Jens Raschke
Schnecke durch die Hecke (AT)
ab 6 Jahren
Regie: Dirk Schirdewahn
in Kooperation mit dem Hessischen Staats-theater Wiesbaden

Bei einer von geschätzt 100.000 Weinberg-schnecken windet sich das Häuschen links- statt rechtsherum: ein genetisches Phänomen (situs inversus), welches außer bei Schnecken nur noch bei uns Menschen auftritt (hier allerdings un-sichtbar, da die inneren Organe betroffen sind). Die frischgebackenen Eltern einer Schnecken-familie staunen nicht schlecht, als sie eines ihrer 66 Schneckenbabies betrachten. Es hat ein Häuschen, das sich linksherum windet und nicht, wie es sich gehört, rechtsherum. Sowas hat die Wiese noch nicht gesehen; dem Ehepaar Pim ist das verdammt unangenehm, ein Kind zu haben, das häuschenmäßig derart aus der Reihe tanzt.

Entschleunigung als Fortschrittsmotor, Gemein-schaft und Ausgrenzung, das „Andere“ als das „Besondere“, Neugier gegen Verharren, Vernunft gegen Verschwörungserzählungen und der Mut zur (notwendigen) Veränderung sind die großen, aktuellen Themen des geplanten Stückes von Jens Raschke.

 

Henner Kallmeyer
Blinde Passagiere im trojanischen Pferd! (AT)
ab 8 Jahre
Regie: Frank Hörner
in Kooperation mit dem theaterkohlenpott Herne

Die Ilias ist eine der ältesten und wildesten Geschichten der Welt. Die Geschichte vom Krieg um Troja ist endlos faszinierend.
Briseis und Spourgitis sind Feinde. Sie müssen Feinde sein. Weil ihre Eltern Feinde sind. Weil ihre Städte gegeneinander Krieg führen. Beiden ist sofort klar, dass sie Feinde sind. Es kann ja gar nicht anders sein.
Zwei Kinder treffen sich im trojanischen Pferd. Um sie herum tobt der Krieg, der jeder Krieg sein könnte. Aber hier drin ist es ganz still. Als wären sie die beiden letzten Menschen auf der Welt. Langsam kommen sie sich näher. Sprechen sie dieselbe Sprache? Oder müssen sie erst eine gemeinsame entwickeln?

Es gibt aber nicht nur Mord und Totschlag, sondern auch Liebe, Verzeihen, Freundschaft und Aufopferung.

Eindrücke der Jury:

„Die Entwicklungen und Strömungen der letzten Jahre spiegelten sich sowohl in der Themenauswahl der Bewerbungen wider (Individualität, Diversität und das vermeintliche "Anders-Sein" spielten eine Rolle, ebenso wie Themen aus dem Bereich Umweltschutz, Naturbewusstsein und Achtsamkeit, aber auch Isolation, Einsamkeit und Tod) – als auch in den ästhetischen und theatralen Projektformaten (viele partizipative Formate, im Recherche- sowie im eigentlichen Vorstellungsrahmen, einige spartenübergreifende Ideen).

Bei der Sichtung der Stückinhalte fielen Themenschwerpunkte ins Auge. Stücke, die ein „individuelles Anderssein“ ihrer Prota-gonist*innen in den Mittelpunkt stellen; Figuren, die nach ihrem Platz in einer für sie neuen Gesellschaft suchen bzw. diesen einfordern – diese politisch ambitionierte Sicht ist sowohl in realistischer als auch in metaphorischer Schreib-weise zu finden. Auffallend ist auch, dass sich eine Mehrzahl von Stückentwürfen um das Thema Erde, Natur und Wald sowie um Weltall, Raum, Science Fiction dreht.

Wir freuen uns, dass in unserer Auswahl sehr unterschiedliche und wichtige Themen vertreten sind, bekannte und unbekannte Autor*innen, große und kleine Theater. Wir wünschen uns zukünftig eine noch größere Diversität bei den Autor*innen und noch mehr Mut und Neugier bzgl. neuer Formate und Ästhetiken; beides sowohl bereits unter den Bewerbungen als auch in der Auswahl. Wir denken aber, dass wir mit unserer Auswahl einen guten Schritt in diese Richtung gegangen sind.“

Die neuen Stücke werden in der Spielzeit 2022/23 uraufgeführt.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater ist ein Kooperationsprojekt des Kinder- und Jugendtheater-zentrums in der Bundesrepublik Deutschland und des Deutschen Literaturfonds e.V. und wird mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
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