Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater 2026
Gemeinsam mit dem Deutschen Literaturfonds e. V. vergibt das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland (KJTZ) jährlich vier Förderungen zur Entwicklung neuer Stücke für das Kindertheater.
Das Programm Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater zeichnet sich durch die programmatische Zusammenarbeit der Autor*innen mit Theatern und Regisseur*innen aus und kann – seit 2009 – auf eine erfolgreiche Geschichte der Autor*innenförderung zurückblicken. So sind in diesem Jahr mit HERZKOPFÜBER von Simone Saftig und SCHMETTERBALL von Dorian Brunz gleich zwei Nah dran!-Stücke für den Mülheimer KinderStückePreis nominiert.
102 Projektbewerbungen sind 2026 eingegangen. Die Bewerbungen lagen der Jury in anonymisierter Form vor. Nun hat die Jury vier Stückprojekte ausgewählt, die gefördert werden und deren Exposés von potenziellen Kooperationstheatern gesichtet werden können. Folgende Stückprojekte werden gefördert:
Java Lev
KÜSSEN (ab 6+ Jahren)
„Mit Küssen gelingt Java Lev ein ebenso eigenständiger wie spielerischer Zugriff auf ein alltägliches Thema. Ausgangspunkt ist die beiläufige Bemerkung einer Erwachsenen, mit der sie körperliche Nähe zwischen Kindern bewertet: „Das macht man nicht.“ Die Figuren nehmen dies nicht einfach hin, sondern beginnen, diese Haltung neugierig zu hinterfragen. Daraus entwickelt sich eine lustvolle Forschungsbewegung, in der Wissen, Körpererfahrung und kindliche Logik sich produktiv miteinander verschränken. Besonders überzeugend ist die Sprache: pointiert, rhythmisch und voller Witz. Die Szenen entstehen konsequent aus dem Spiel heraus, sind temporeich und bleiben dabei stets konkret und nachvollziehbar. So verhandelt der Text mit großer Leichtigkeit Fragen nach Nähe und Selbstbestimmung – und findet dafür eine klare, theatrale Form.“ – Moritz Staemmler
Sina Ahlers
DAS ENDE DER LEEREN GÄRTEN (ab 5+ Jahren)
„Regelmäßig zieht Mutter Katha los, um den ‚Überfluss‘ abzuholen. Doch Kind Hermelin spürt ständig Mangel und erkennt eine ‚Ökonomie des Restes‘. Als die potenzielle Mitbewohnerin Hasti ein Zimmer besichtigt, öffnen sich neue Perspektiven auf Verteilung, Gemeinschaft und Fürsorge. Ein beinahe ungenutzter Garten und die Beziehung zur Vermieterin Gilles führen zu konkreten Fragen nach sinnvoller Raumnutzung, neuen Lebensmodellen und der Reparatur von Lebensräumen.
Das Ende der leeren Gärten überzeugt mit einer spannenden Idee, liebevoll gezeichneten Figuren und geschickten Wendungen. Die Geschichte verknüpft diverse Themen sorgfältig und erzählt sie in altersgerechter Sprache mit witzigen Dialogen. In poetischer und präziser Sprache verhandelt der Text Themen wie Umverteilung, Ressourcen und Zusammenleben gefühlvoll und eindrücklich, ohne zu belehren.“ - Anaïs Clerc
Vera Schindler
WORTWESPEN (ab 6+ Jahren)
„In Wortwespen verhandeln die Geschwister Jelly und Hosenscheißer, tollkühn, verletzlich und hochintelligent das Thema der Sprache in all ihren Möglichkeiten und Gefahren. Sie kann Welten erschaffen, fantastische, wie auch schmerzhafte. Sie kann aber ebenso verbinden, ausschließen und markieren. Die Wortkünstlerin Jelly hat Wortweh und möchte nicht mehr zur Schule gehen, denn die Wortwespen stachen in ihre Zunge. Spielerisch und ehrlich entblättern die zwei mehrsprachig aufwachsenden Geschwister das Thema der Angst vor dem Scheitern, der Scham und des Verlangens nach Zugehörigkeit.
Wortwespen ist ein Theaterstück, das Kinder in ihrer unendlichen Vorstellungskraft ernst nimmt und auf eine fantastische Reise katapultiert, in der sie lustvoll an Sprache in all ihren Facetten herangeführt werden. Ein großartiges Stück für die Augen und Herzen von Kindern.“ – Duygu Ağal
Fabian Hartje
ACH DU GRÜNE NEUNE - GEFÜHLE! (AT) (Ab 7 Jahren)
„In Ach du grüne Neune – Gefühle! (AT) erzählt Fabian Hartje von einem Kind, das nach dem Tod des Bruders versucht, seine Welt neu zu ordnen, und dabei für sich Bilder findet, die das Unbegreifliche mit Leichtigkeit tragen: Die Verstorbenen leben in den Wolken, Gefühle sind Dinge, auf denen man ausrutschen kann, und wer trauert, muss aufpassen, dass er nicht erlischt. Im Mittelpunkt steht die Begegnung mit dem Hausmeister. Auch er hat jemanden verloren, und so kommen beide ins Gespräch: neugierig, ohne Umwege, ohne den Verlust direkt auszusprechen.
Ruhig, konzentriert und mit viel Spielraum für die Bühne überzeugt der Text durch eine konkrete, poetische Sprache von eigenwilliger kindlicher Logik. Und durch Momente, die bleiben: verlorene Dinge, die in einem geheimen Kellermuseum auf Abholung warten.“ – Moritz Staemmler
Die vollständigen Begründungen zum Nachlesen finden Sie hier.
Die vier Autor*innen erhalten eine Förderung von jeweils 10.000 Euro für ihre Stückentwicklung. Weitere 1.000 Euro erhalten die Kooperationstheater, die die Stücke zur Uraufführung bringen.
LONGLIST
Erstmals veröffentlicht das Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland (KJTZ) über das Förderprogramm Nah dran! in diesem Jahr eine Longlist, die einen erweiterten Blick auf die große Vielfalt und Qualität der eingereichten Projekte ermöglicht. Sie würdigt jene Arbeiten, die im Auswahlprozess in besonderer Weise überzeugt haben, und macht zugleich sichtbar, welch beeindruckendes Spektrum an künstlerischen Ansätzen und Themen im Verfahren vertreten war. Die Longlist versteht sich damit als ausdrückliche Anerkennung der künstlerischen Leistungen aller ausgewählten Positionen. Die Reihenfolge der Longlist ergibt sich ausschließlich aus der Reihenfolge der Bewerbungseingänge und trifft keine inhaltliche Wertung.
- Leah Luna Winzely: weil Mama
- Mireya Heider de Jahnsen: Pacha Mama
- Elisabeth Pape: Zusammen groß werden
- OMAS from the Block: In meiner Tasche, ein Drachenherz
- Markolf Naujoks: Haus der Füchse
- Susana AbdulMajid: Yara hört den Fluss - vom Gedächtnis der Flüsse
Der Jury 2026 gehören an: Anaïs Clerc (Autorin und Dramatikerin), Duygu Ağal (Autor*in Theater, Prosa, Drehbuch) sowie Moritz Staemmler (Verleger, Kuratoriumsmitglied des Deutschen Literaturfonds).
Die Stückprojekte sollen in Kooperation mit Theatern entwickelt werden. Dazu erfolgt eine Einladung an die Theater zur Interessensbekundung. Die Ausschreibung für Theater finden Sie auf www.jungespublikum.de.
Die neu entstehenden Stücke sollen in der Spielzeit 2027/28 uraufgeführt werden.