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Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien 2026 an Ayşe Klinge, Anna Maria Praßler, Basma Hallak und Franziska Hörner

Die Preisträgerinnen und Preisträger der Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien 2026 stehen fest: In der Sparte Kinderliteratur gehen die Stipendien an Ayşe Klinge für Der Zahn (Kibitz) und an Anna Maria Praßler für Keine Party ist auch keine Lösung (Klett Kinderbuch). Die Jugendliteratur-Stipendiatinnen sind Basma Hallak mit Please unfollow (Arctis) und Franziska Hörner mit Und mir bleibt der hässliche Hund (Thienemann). Allen vier Autorinnen gelingt es, ihren Leserinnen und Lesern Zuversicht zu schenken – in einem herausfordernden Alltag, nach einem Schicksalsschlag und in vermeintlich ausweglosen Lebenssituationen.

Alle Stipendien sind von sechsmonatiger Dauer und mit je 18.000 Euro dotiert. Jährlich stehen somit 72.000 Euro zur Verfügung. Damit würdigen der Deutsche Literaturfonds und der Arbeitskreis für Jugendliteratur die Leistungen deutschsprachiger Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren, die erste überzeugende Titel veröffentlicht haben, und unterstützen sie bei ihrer Positionierung auf dem Buchmarkt.

Live zu erleben gibt es die ausgezeichneten Autorinnen am 20. März 2026 von 14:00 bis 15:00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse. Im Gespräch mit Jurymitglied Ines Dettmann berichten sie von ihrer Arbeit und lesen aus ihren prämierten Werken (Lesezelt in Halle 3, A 305). Die Leipziger Buchmesse ist Partnerin der Veranstaltung.

Ayşe Klinge für Der Zahn

Ayşe Klinge, geboren 1990, studierte Bühnen- und Kostümbild in Berlin und Illustration in Hamburg. Als freie Illustratorin und Künstlerin gestaltet sie Kinder- und Sachbücher sowie Comic-Kurzgeschichten. Dabei ist ihre Arbeit stets eng verknüpft mit ihrem Engagement gegen Rassismus. Der Zahn ist ihr erster Langcomic.

Begründung der Jury

„Freu dich einfach über deine Fähigkeiten“, empfiehlt Karlas Opa. Das aber fällt der jungen Protagonistin alles andere als leicht. Karla ist ein Vampirmädchen, das in eine Menschenschule geht. Die dort gelebten Freundschaf­ten bedeuten ihr viel. Allen voran die neu aufkeimende Freundschaft zu Mila, einer Außenseiterin mit ausgeprägter Angst vor – ausgerechnet! – Vampiren. Dass Karla zu einer traditionsverbundenen Vampirgemeinschaft gehört, weiß niemand. Es geheim zu halten, wird zur handlungstreibenden Herausforderung. Erst beginnen Karla die Fangzähne zu wachsen, dann sichten ihre Freundinnen und Freunde einen fliegenden Vampir. Turbulente Verstri­ckungen nehmen ihren Verlauf. Münden dürfen sie in eine tief empfundene Freundschaft zwischen Karla und Mila, die es schaffen, Ängste, Vorurteile und Ausgrenzung ebenso zu überwinden wie starre Traditionen. Indem die sozial „Anderen“ im Comicroman Vampire sind, gelingt ein Diversität thematisierendes Erzählen, das sehr fein die Möglichkeiten des Phantastischen nutzt. An pointierte Sprechtexte und dynamische Zeichnungen bindet sich viel Skurriles und Witziges, das Ayşe Klinge gekonnt ver­schmelzen lässt mit gesellschaftlichen Themen, die die Kinderliteratur genau so braucht.

Begründung der Jury, der Ines Dettmann, Prof. Dr. Iris Kruse und Prof. Dr. Jan Standke angehören

Anna Maria Praßler für Keine Party ist auch keine Lösung

Anna Maria Praßler wurde 1983 im bayerischen Schwaben geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Film- und Theaterwissenschaft, Psychologie und Drehbuch. Heute schreibt sie sowohl Drehbücher als auch Prosa. Ihren ersten Kinderroman Hinterhoftage (Klett Kinderbuch) veröffentlichte sie 2021.

Begründung der Jury

Die Fragen „Wie?“, „Wo?“ und „Womit?“ sind offen, als Ich-Erzählerin Jagoda ihre Mitschülerin Mia zur Feier ihres zehnten Geburtstags einlädt. Auf der „besten Party ever“ soll das nette Mädchen aus der neuen Schule ihre Freundin werden! Die Tage und Stunden sind gezählt. Sie bilden einen die Kapitel gliedernden Countdown, dem die Leserinnen und Leser gemeinsam mit Jagoda gespannt folgen. Dass das erzählte Geschehen vier rasanter Tage in ein glückliches Party-Jetzt mündet, ist alles andere als selbstverständlich, denn Anna Maria Praßler stellt ihre Protagonistin in ein Umfeld, das viel von ihr verlangt. Jagoda lebt mit ihrer Mutter im Frauenhaus und darf weder Besuch bekommen noch ihre Adresse verraten. Weil es auch kein Geld gibt, sind Ideen und Willensstärke gefor­dert. Von beidem hat Jagoda viel. Und weil sie überdies auch noch den Mut aufbringt, um Hilfe zu bitten, darf sich nicht nur der Partywunsch erfüllen, sondern auch die über alle Seiten hinweg mitlaufende Sehnsucht nach echter Zugehörigkeit kommt ans Ziel. Praßlers resiliente Kinderfigur berührt. Sensibel und im Duktus frechen Gegenhaltens macht Jagodas sprudelnder Erzählfluss eine Lebensrealität sichtbar, über die bisher nicht nur kinderliterarisch zu viel geschwiegen wird.

Begründung der Jury, der Ines Dettmann, Prof. Dr. Iris Kruse und Prof. Dr. Jan Standke angehören

Basma Hallak für Please unfollow

Basma Hallak wurde 1996 als Tochter palästinensischer Eltern in Berlin geboren, wo sie Bibliotheks- und Informationsmanagement studierte. Ihren ersten Roman Between My Worlds (Droemer Knaur) veröffentlichte sie 2024. Darüber hinaus ist sie mit ihrem Instagram-Kanal @basmabooks als Buch-Bloggerin aktiv.

Begründung der Jury

Familienvlogs, For-You-Feeds – digitales Grundrauschen. Für die 17-jährige Sherry ist das kein Entertainment, sondern Leben unter Dauerbeobachtung: Als Kind der YouTube-Familie „Die Whites“ wird ihre Kindheit vermarktet – Sharenting als Geschäftsmodell.
Nach einem Zusammenbruch und einer Straftat, deren Auslöser lange offenbleibt, landet Sherry in einem Resozia­lisierungsprogramm. Doch selbst dort verfolgt sie das Echo ihres nie privaten Lebens. Zwischen Scham und Wut, Trotz und Sehnsucht nach Ruhe ringt sie mit der Frage, wem ihr Körper, ihre Geschichte, ihr Bild gehören.
Basma Hallak verdichtet diese Übergriffigkeit souverän zu einer Erzählung, die sich mühelos liest und dennoch weh tut, weil sie so nah an der Realität bleibt. Klare Sprache und ein genauer Blick für Zwischentöne balancieren Härte und Empathie, statt vorschnell zu urteilen. Mit großer emotionaler Genauigkeit zeigt der Text, wie schwer Selbstbestimmung ist, wenn Sichtbarkeit zur Falle wird – und wie wichtig Freundschaft und verlässliche Begleitung sind, um ein „Ich“ zurückzuerobern. Please unfollow überzeugt durch literarische Stringenz und eine eindringli­che, gegenwartsnahe – bei aller Härte auch mutmachende – Darstellung des Kampfs um Autonomie.

Begründung der Jury, der Ines Dettmann, Prof. Dr. Iris Kruse und Prof. Dr. Jan Standke angehören

Franziska Hörner für Und mir bleibt der hässliche Hund

Franziska Hörner, geboren 1993 in Düsseldorf, studierte Englisch sowie Biologie und wurde anschließend Elefantenforscherin. Hierfür bereist sie zahlreiche Länder und schreibt dabei Geschichten für Jugendliche und junge Erwachsene. Und mir bleibt der hässliche Hund ist ihr Debütroman.

Begründung der Jury

Ein Autounfall verändert das Leben von Felix dramatisch: Von seiner Familie ist nur noch Bolt übrig, ein hübschhässlicher Bulldog-Mischling, der seiner kleinen Schwester gehört hat und als einziger den Unfall überlebte. Nichts ist mehr, wie es mal war für den Siebzehnjährigen, der sich in seinem Zimmer vergräbt, trauert und versucht, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Dann trifft er Mo im Wartezimmer seiner Therapeutin und es beginnt ein Sommer, der sich fast wieder normal anfühlt – soweit das überhaupt möglich ist. Felix und Mo testen Grenzen aus, verbringen bedingungslos Zeit miteinander und versuchen, ihre Ängste aufzuarbeiten, was nicht immer gelingt. Marie komplettiert mit ihrer positiven und fröhlichen Art das Trio und trotzdem hat jeder der Drei seine eigene Geschichte zu bewältigen.
Franziska Hörner mutet in ihrem Debüt dem Protagonisten und den Leserinnen und Lesern einiges zu, gibt allerdings der Geschichte genug Raum für alles, was sie braucht: Freundschaft, Liebe, Angst, Trauer und Hoffnung. Erzählt aus der Perspektive von Felix, bekommt die Schwere des Erlebten einen direkten, leichten und nie hoffnungslosen Ton. Damit vom Leben mehr übrig bleibt als ein hässlicher Hund.

Begründung der Jury, der Ines Dettmann, Prof. Dr. Iris Kruse und Prof. Dr. Jan Standke angehören

Jury

Der Jury zu den Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien 2026 gehören an:

  • Ines Dettmann (Leiterin des Jungen Literaturhauses Köln)
  • Prof. Dr. Iris Kruse (Vorsitzende der Kritikerjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2026)
  • Prof. Dr. Jan Standke (Vorsitzender des Arbeitskreises für Jugendliteratur)

Stipendien – für wen und warum?

Die Kranichsteiner-Stipendien werden jährlich vom Deutschen Literaturfonds und dem Arbeitskreis für Jugendliteratur vergeben. Sie gehen an Autorinnen und Autoren von Kinder- und Jugendbüchern, die bereits erste überzeugende Titel veröffentlicht haben und eine positive literarische Entwicklung erkennen lassen, sich aber bisher keine starke Marktposition erarbeiten konnten.

Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, ein nächstes Buchprojekt unabhängig von den Anforderungen des Marktes und unter finanziell gesicherten Lebensumständen verwirklichen zu können.

Sowohl der Deutsche Literaturfonds als auch der Arbeitskreis für Jugendliteratur möchten damit die aktuelle deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur fördern und unterstützen.

Vergeben werden je zwei Kinderliteratur- und Jugendliteratur-Stipendien von sechsmonatiger Dauer, die jeweils mit 18.000 Euro dotiert sind. Jährlich stehen somit 72.000 Euro für die Förderung deutschsprachiger Autorinnen und Autoren zur Verfügung.

Auswahlverfahren

Eine Bewerbung um ein Stipendium erfolgt automatisch durch die Einreichung eines deutschsprachigen Kinder- bzw. Jugendbuchs für den Deutschen Jugendliteraturpreis, an den das Auswahlverfahren gebunden ist.

Alle deutschsprachigen Originalausgaben in den Sparten Kinderbuch und Jugendbuch werden von einer unabhängigen Jury geprüft. Übersetzungen sowie Einreichungen in anderen Sparten finden keine Berücksichtigung. Ausschlaggebend für die Vergabe der Stipendien-Preise ist allein die literarische Qualität der zu prüfenden Kinder- und Jugendbücher. Die Entscheidung für die Stipendiaten fällt unabhängig davon, ob die Autorinnen und Autoren für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind.

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